Rückkehr zur Normalität nicht einfach
Bad Iburg. Einige Ratsmitglieder brachten in der Sondersitzung am Freitag die Hoffnung zum Ausdruck, dass der Rat jetzt zur Normalität zurückkehren könne. Das wird aber noch dauern. Bürgermeister Drago Jurak: „Es ist deutlich geworden, dass Herr Mohrmann die ,Amokläufer‘-Äußerung nicht für die Grünen-Fraktion gemacht hat. Aber seine Entschuldigung war für mich sehr schwach. Die Äußerung bleibt aus meiner Sicht unentschuldbar.“
Bad Iburgs Bürgermeister kündigte an, dass es bei diesem insgesamt „sehr komplexen Vorgang“ noch einige Dinge zu überprüfen gebe und weitere Schritte nicht ausgeschlossen seien. Zu Einzelheiten wollte er sich allerdings nicht äußern.
Am Freitagabend war allen Beteiligten nach der rund 70-minütigen Sondersitzung die Anspannung noch deutlich anzumerken gewesen. Insbesondere die beiden Grünen-Ratsmitglieder Renate Ralle und Daniel Schneider suchten noch das Gespräch mit Drago Jurak, nachdem ihr Fraktionsvorsitzender heftige Reaktionen des Bürgermeisters und aller anderen im Rat vertretenen Fraktionen ausgelöst hatte.
Mohrmann hatte sich im Rat für seine Wortwahl entschuldigt. Das Wort „Amokläufer“ sei von ihm „spontan, unüberlegt und auch aus einer Verärgerung heraus gebraucht worden, aber eben karikaturistisch überspitzt“. Die Sondersitzung sei nach seiner Meinung „unnötig, unklug und sicherlich auch kontraproduktiv“, da die Rechtmäßigkeit der Amtsführung pauschal gar nicht infrage gestanden habe. Es sei lediglich um den Sachverhalt gegangen, zu dem die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt habe.
Auszüge aus den Redebeiträgen der Sitzung, die rund 20 Iburger Bürger verfolgten:
Ludwig Fischer, CDU: „Mein Vertrauen in die Justiz ist durch die Einstellung in vollem Umfang und zeitlich eher, als ich erwartet habe, bestätigt worden. Die Äußerung des Ratskollegen Mohrmann ist nicht zu akzeptieren. Den Satz ,Wir laufen nicht einem Amokläufer hinterher und dann noch im Gleichschritt‘ empfinde ich als Beleidigung, insbesondere auch gegenüber den Kollegen im Rat.“
Matthias Seestern-Pauly, FDP: „Ich bin froh, dass sich die Fraktionen von CDU, SPD, GfB und FDP vor Einstellung des Verfahrens hinter den Bürgermeister gestellt haben. Wir haben zu Recht deutlich Position bezogen. Herr Mohrmann hat sich vollkommen im Ton vergriffen.“
Hans-Josef Geesen, SPD: „Bürgermeister Jurak ist es zu verdanken, dass wir die enormen Rückstände, die durch den ehemaligen Therapiezentrum-Pächter entstanden sind, durch unvermeidbare Gerichtsverfahren eingefordert haben. Bei allen Verfahren waren wir stets im Bilde. Es tut mir in der Seele weh, wie in den letzten Tagen mit dem Menschen Drago Jurak umgegangen worden ist.“
Andreas Heuer, GfB (Gemeinschaft für Bad Iburg): „Herr Mohrmann sollte darüber nachdenken, das Ratsmandat abzugeben. Für einen Maulwurf ist im Rat und im Verwaltungsausschuss kein Platz.“
Auch der Personalratsvorsitzende Ansgar Ellebracht meldete sich zu Wort: „In seiner Funktion als Bürgermeister ist Drago Jurak Dienstvorgesetzter aller Mitarbeiter und darüber hinaus auch unser Kollege. Wir, die Mitarbeiter der Stadt, bringen ihm in beiderlei Hinsicht große Wertschätzung entgegen – in gleicher Weise, wie er sie uns zeigt. Um noch größeren Schaden von seinem Amt und für die Stadt abzuwenden, begrüßt der Personalrat den Antrag der großen Mehrheit des Rates.“
Neue Osnabrücker Zeitung | Lokales | 14. Februar 2011